„Erneuert durch das Wort Gottes“ – Mitarbeitertagung der GGE-Initiative

Ein persönlicher Bericht

Was die Bibel im Prozess der geistlichen Erneuerung bedeutet – das war das Thema der Mitarbeitertagung, die Ende Januar in Dorfweil stattfand. Mit diesem Schwerpunkt wurde eines der fünf Kernanliegen ausgewählt, die sich die GGE-Initiative aufs Herz genommen hat. (Die anderen Kernanliegen sind: Erneuerung durch den Geist Gottes, durch geheiligte Nachfolge, durch die Priorität der Evangelisation, durch erneuerte Führungskräfte.) Auf dieses Thema ließen sich gut 100 Teilnehmer ein, die in verschiedener Weise Verantwortung in ihren Gemeinde tragen: Pastoren, Älteste, Gemeindeleitungsmitglieder und andere Mitarbeiter. Die Gastgeberin, die GGE-Initiative, ist eine Bewegung, die aus dem Arbeitskreis „Gemeinde und Charisma“ hervorgegangen ist und unserem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden durch erneuernde Impulse dienen möchte.

Das Konferenzthema klang war also nicht besonders „charismatisch“. Es war wohltuend, uns mit der Grundlage unseres Glaubens zu befassen und neu zu hören, wie verheißungsvoll das alte Buch ist. Schneiden wir uns von dieser Wurzel ab, so ist es nicht verwunderlich, wenn wir auch keine Früchte mehr ernten. Das gilt im persönlichen Leben wie in der Gesellschaft. Die Konferenz hatte einen nüchternen, bodenständigen Charakter durch diesen Schwerpunkt. Für mich war es schön, als einer der drei Referenten von dem Bibeltext zu berichten, der mich in meinem Studium und meiner Doktorarbeit am meisten bewegt hat, Apg 2,42-47.

Das heimliche zweite Thema der Tagung aber war das Gebet. Schon einige Tage zuvor hatten sich ca. 30 Leute zu einer vorbereitenden Gebets- und Fastentagung getroffen. Das spürte man am Tagungsverlauf. Die Atomsphäre war vorbereitet, so dass es leicht fiel, sich persönlich auf Gott einzulassen. Die zweite Hälfte der Tagung, nachdem die Referate „absolviert“ waren, war von Gebetsgottesdiensten geprägt. Dabei ging es nicht nur um Fürbitte für andere. Das war zwar zunächst geplant gewesen, und die Verbundenheit und Mitverantwortung für unseren Gemeindebund drückte sich auch in solidarischem Gebet aus. Mich selbst hat es tief bewegt, wie für die so stark vorhandene Verbitterung in vielen Gemeinden gebetet wurde, und obwohl ich sonst meine Gefühle nicht so stark nach außen hin zeige, musste ich doch beim Beten weinen in Gedanken an meine Gemeinde. Wie mag Gott sich danach sehnen, unsere Bitterkeit abheilen zu dürfen.

Aus der Fürbitte heraus nahm der letzte Teil der Tagung dann aber eine stark persönliche Wendung. Verschiedene Lebensfelder wurden benannt, in denen Gott größere Freiheit in Aussicht stellte. Zahlreiche Tagungsteilnehmer ließen persönlich für sich beten. In vielen Lebensgeschichten war etwas aufgebrochen, in das hinein Gott segnend wirkte. Eine wichtige Rolle dabei spielten prophetische Worte, die in verantwortlicher Weise in die Tagung eingebracht wurden – das Leitungsteam ordnete jeweils zu, an welcher Stelle ein Eindruck am besten geäußert werden sollte. Oft handelte es sich um einen verheißenden Zuspruch durch Bibelworte. Es wurden aber auch persönliche Lebenssituationen angesprochen. Ohne diese prophetischen Worte wäre mancher sicher nicht auf die Idee gekommen, persönliche Fürbitte in Anspruch zu nehmen. Gut, dass viele befreiter aus dieser Tagung gehen konnten. Es war bewegend mitzuerleben, welche geistliche Dynamik durch die Reihen ging.

Dabei gab es beim Beten durchaus nicht nur „Erfolge“ zu verzeichnen. Eine massive Krankheitssituation im Leitungskreis besserte sich gegen alle Hoffnung nicht, so dass der Betreffende krank abreisen musste. Auf der anderen Seite erfuhren viele, dass das Beten für sich genommen, auch abgesehen von Erhörungen, sinnvoll und segensreich ist. Etliche hatten den Mut, sich für zweistündige Gebets-Nachtwachen zu melden. Manche Fürbitte für Menschen, die davon nicht wissen, wurde Gott hier gesagt.

Ich persönlich bin auch mit der Absicht auf die Tagung gefahren, Aussprache und Gebet mit zwei langjährigen Weggefährten zu suchen, die ich dort treffen würde. Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen. Darüber hinaus habe aber noch viel mehr profitiert. Während einer Anbetungszeit kamen mir nach und nach ordnende und auch korrigierende Gedanken in den Kopf, die mich klarer sehen lassen, wie Gott über mein Leben denkt. Gott redet also auch, ohne andere Christen „dazwischenzuschalten“. Doch auch was andere für mich gebetet haben, gibt mir zu denken, und ich frage Gott, ob er darin geredet hat.

Mein Fazit: Eine wirkungsvolle Tagung, die nicht nur bei mir gute Spuren hinterlässt. Nur ganz selten hatte ich das Empfinden, Emotionen würden allzu druckvoll angeheizt oder einzelne Verantwortliche wären zu massiv in der Leitung. Das Anliegen „Geistliche Gemeindeerneuerung“ trage ich überzeugt mit, weil es in Gottes Wort und im Gebet verankert ist und weil es hier in einer gesunden Art und Weise gestaltet wird.

Ulrich Wendel, Marburg