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Volkmar Gloeckner 2009„Du, o Herr, kennst mich, du prüfst, wie mein Herz zu dir steht.“ Jeremia 12, 3

Nach der Wende, der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, erzählte man sich eine Menge Ossi-Wessi-Witze, um durch Humor die schmerzlichen Unterschiede zwischen Ost und West erträglicher zu machen. – Kennt Ihr den noch?

Warum wurde im Osten schon nach 12 Schuljahren das Abitur gemacht, im Westen aber erst nach 13 Jahren? Antwort: Die Wessis hatten noch ein Jahr Schauspielunterricht!

Das war eins von den vielen Vorurteilen, die sogar heute fast 30 Jahre nach dem Mauerfall noch das Denken vieler Deutscher übereinander beeinflussen, und ein Fünkchen Wahrheit war wohl dabei. Meine Frau und ich sind im Westen aufgewachsen, haben aber von 1996 bis 2009 im Osten gelebt – eine wunderbare Zeit! Noch heute geht es uns so, dass wir manchmal glauben zuordnen zu können, ob jemand im Osten oder im Westen groß geworden ist. Da erleben wir z.B. einen Menschen und denken: „Tja, viel Fassade, aber wenig dahinter! Der ist bestimmt im Westen aufgewachsen.“ Oder: „Wow, eine Menge auf dem Kasten, kann sich aber schlecht verkaufen! Bestimmt ist sie im Osten groß geworden.“ So langsam haben sich die Unterschiede aber angeglichen. Urteilt selbst, in welche Richtung …..

In Jeremia 12, Vers 3 heißt es: „Du, o Herr, kennst mich, du prüfst, wie mein Herz zu dir steht.“

Jeremia beklagt sich bei Gott darüber, dass es den Gottlosen scheinbar so gut geht. Äußerlich erwecken sie manchmal sogar einen frommen Eindruck, aber wenn man in ihr Leben guckt, sieht es dort ganz anders aus. Jeremia klagt: „Nahe bist du ihrem Munde, aber ferne von ihrem Herzen.“ Und dann diese selbstbewusste Erkenntnis: „Mich aber, Herr, kennst du und siehst mich und prüfst mein Herz vor dir.“ Jeremia war sich sicher, dass er dem prüfenden Durchblick Gottes standhalten würde. Im Vergleich zu seinen heuchlerischen Volksgenossen waren seine Liebe und sein Eifer für Gott echt!

In Gottes Antwort auf Jeremias Klagen wird das dann auch nicht in Zweifel gezogen, allerdings spricht Gott mit seinem Propheten über die Gefährdung, die in seinem Hang zum Selbstmitleid liegt. „Wenn Du jetzt schon ins Wanken gerätst, Jeremia, wie soll es erst werden, wenn die Gottlosigkeit deines Volkes so richtig sichtbar wird und die Folgen für Dich noch spürbarer werden?“

Jeremia hatte es aber auch schwer mit seiner Botschaft, die keiner hören wollte. Sie machte ihn einsam. Offensichtlich war er ein höchst sensibler Mann. Er litt sehr darunter, von seinem Volk abgelehnt und verspottet zu werden. Viel lieber wäre er verstanden und angenommen worden. Und so hat man beim Lesen des Buches Jeremia den Eindruck, der Prophet sei häufig in der Seelsorge gewesen, in der Seelsorge bei Gott.

Bei der Seelsorge, der Sorge um unsere Seele, ist es entscheidend, ob wir jemand an unser Herz heranlassen – und ob wir selbst einen Zugang finden zu dem, was in unserem Herzen los ist. „Du, o Herr, kennst mich, du prüfst, wie mein Herz zu dir steht.“ Das ist der Anfang. Vor Gott kann und brauche ich nichts zu verstecken. Diese Erkenntnis hilft mir, genauer hinzuschauen, wenn es darum geht, Durchblick zu bekommen für meine Beziehung zu Gott und zu mir selbst und für meine Beziehung zu den Menschen und den Dingen meines Lebens. Ganz einfach ist das nicht.

Als ich vor 15 Jahren in einer gesundheitlichen Krise eine Kur antrat, musste ich mich erst einmal zurechtfinden so ganz mit mir allein unter völlig fremden Menschen. Ich fühlte mich den Ärzten und mir selbst und vielen Fragen ausgeliefert. Meine gewohnte Rolle als Pastor, die Geborgenheit in der Familie, mein normaler Tagesrhythmus – das alles war weit weg.

Doch es hat mir gut getan, mich so mir selbst und Gott zu stellen. Die Gewissheit hat mich getragen, dass Gott mich durch und durch kennt und mich gnädig anschaut.

„Du, o Herr, kennst mich, du prüfst, wie mein Herz zu dir steht.“

Diese Gewissheit wünsche ich uns allen! Denn wer Gottes gnädiges Anschauen erfahren hat, schaut selbst auch gnädiger auf andere – egal wo sie aufgewachsen sind und welche Prägung sie mitbringen…

Volkmar Glöckner, Pastor der EFG Lübeck