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Vom 28.-31. Januar 2015 fand die GGE-Leiterschaftskonferenz in Braunschweig statt. Mit zwei weiteren leitenden Mitarbeitern aus unserer Gemeinde war ich dort (erstmals) als Teilnehmer dabei und durfte ermutigende Predigten, geistliche Herausforderungen und Zeiten der Anbetung Gottes erleben. Mit diesem Rückblick möchte ich euch auch in etliche Punkte mit hineinnehmen, die mich besonders ermutigt oder herausgefordert haben.

Schon am 27.01. bin ich angereist, um gemeinsam mit Stefan Vatter, Philipp Rüdiger, Jan Achtermann, Heimke Hitzblech und Maik Schneider den „Mentorentag für junge Leiter“ durchzuführen. 40 junge Leiter unter 40 aus ganz Deutschland waren gekommen, und wir starteten mit einigen Bibelauslegungen und prophetischen Impulsen in den Mentorentag. In Kleingruppen tauschten wir uns über unsere Situationen aus und nahmen uns viel Zeit für das hörende Gebet. Gott hat in großem Maß zu uns gesprochen, und wir freuen uns schon auf den nächsten Mentorentag 2016 in Dorfweil.

Am Mittwoch ging es dann mit weit über 600 Teilnehmern in die Leiterschaftskonferenz. Pastor Martin Bühlmann (Leiter Vineyard Deutschland Österreich Schweiz) führte uns mit vielen biographischen Schlenkern in das Thema „Beflügelt vom Geist, verwurzelt in Christus“ ein. Bühlmann machte deutlich, dass nichts einfacher, sondern alles komplizierter wird, wenn wir Christen werden. Die Kernaussage seiner Predigten war: Wir dürfen Christus als Schatz im dreckigen Acker unseres Lebens suchen und finden. Ermutigend fand ich es, aus Gnade und aus der Beziehung zu Christus heraus Diener am Wort Gottes zu sein. Am Abend ermutigte Bühlmann die erfahrenen Leiter dazu, neue Jagdgründe auszuprobieren – sie sind die Leiter im Reich Gottes, die neue Wege beschreiten müssen. Laut Bühlmann sind die Gemeinden in Deutschland völlig auf die 2% Christen fokussiert; sie sollten aber auf die 98% Menschen fokussiert sein, die noch keine Christen sind. Spannend fand ich auch, dass er Epheser 4,11-13 (den „fünffältigen Leitungsdienst“) auf die Multiplikation hin ausgelegt hat: Apostel, Lehrer, Propheten, Hirten und Evangelisten stehen dann in einem fruchtbaren Dienst, wenn sie neue Apostel, Lehrer, Propheten, Hirten und Evangelisten hervorbringen.

Den Donnerstagmorgen durften wir mit Pastor Stefan Hänsch (Leiter ICF Berlin) starten. Mit viel Dynamik führte uns Hänsch in das Thema „Kirche für Menschen“ ein. Diese Kirche für Menschen ist laut Hänsch nur dann möglich, wenn wir unsere Gemeinden immer stärker in der Christusbeziehung fundieren. Trotzdem ist die menschliche Kompetenz beim Gemeindebau unverzichtbar, weshalb vieles im ICF Berlin nach dem „One Ministry“ System läuft: Jeder ehrenamtlich Mitarbeitende darf nur einen Dienst in der Gemeinde tun, soll den dafür aber so gut wie möglich machen. Kein ehrenamtliches Mitglied soll mehr als drei Gemeindetermine die Woche über haben, um Zeit für die nichtchristlichen Freunde, die Kinder und den Ehepartner zu haben. Die Radikalität dieses familienzentrierten und evangelistischen Ansatzes fand ich ermutigend. Als Schlagwort fand ich prägnant: „Kirche ist für den Menschen da, nicht die Menschen für die Kirche.“ Hänsch ermutigte uns zudem dazu, in den Predigten nicht problem-, sondern lösungsorientiert zu sein.

Am Donnerstagabend stieg Pastor Ingolf Ellßel (Vorstandsmitglied der Weltpfingstbewegung) ein in das gefährliche Spiel der Leistung in der Gemeinde. Ellßel behauptete, dass Gesetzlichkeit Einzug in Gemeinden erhält, wenn wir Gottesbeziehung und Christsein über unser Tun definieren. Auf lutherisch-reformatorische Weise führte Ellßel durch Römer 7 und zeigte auf, dass die „Ehe Gesetzt + Mensch“ durch den Tod des sündlosen Menschen Christus gestorben ist für alle Menschen, die mit Christus in der Taufe gestorben sind, und dass wir neu auferstanden sind in der „Ehe Christus + Mensch“. Frei von jeglichem Leistungsdenken in der Gemeinde werden wir also durch die neue Ehe mit Christus in der  Taufe. Der „alte Adam“, vor dem die Schrift warnt, ist nicht die alte Sündhaftigkeit, sondern die alte Gesetzlichkeit: Der Wunsch, es aus eigener Kraft Gott rechtzumachen.

Am Freitag zeigte Ellßel, wie der Geist uns in die Dinge hineinführt, die Gott uns bereits geschenkt hat. Die wichtigsten Aufgaben des Geistes sind die Schaffung der Gemeinschaft unter den Christen und die Überführung des gottlosen Sünders. Klar sagte Ellßel: Der Geist kommt nicht in Gemeinden, die ihn nicht wollen. Die Leitung der Gemeinde ist dafür verantwortlich, dass der Geist in der Gemeinde nicht gedämpft wird. Den Geist empfangen wir als Christen allerdings nicht nach dem Maß der Heiligung, schon gar nicht nach dem Maß der eigenen Leistung, sondern allein nach dem Maß der Gnade Gottes.

Nachmittags nahm ich mir Zeit, mich ausführlich über die EFG Braunschweig zu informieren. Mit 1160 Mitgliedern ist es die größte Gemeinde unseres Bundes; in den letzten 7 Jahren ist die Gemeinde um über 500 Personen gewachsen. Ich wollte nach den Gründen dieses Wachstums suchen (dieser Suche schlossen sich dutzende weitere Leiter aus Gemeinden und Werken an). Einiges wurde sehr deutlich: Die Gemeinde hat eine starke, visionäre Gemeindeleitung, die klar nach dem Willen Gottes fragt und auch bereit ist, sich Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen. Die Gemeindeleitung gibt sich nicht zufrieden mit dem bereits Erreichten, sondern sie sieht, dass noch hundertausende Menschen in und um Braunschweig verloren sind. Diese hundertprozentige Ausrichtung der Gemeindearbeit, des Gemeindebaus, am Missionsauftrag imponierte mir. Deutlich wurde bei der Vorstellung der sechzehn wichtigsten Dienstgruppen der Gemeinde aber auch: Mit einem starken Gemeindewachstum gibt es zwar immer mehr Mitarbeiter, aber auch einen noch schneller wachsenden Bedarf an Mitarbeitern, so dass es in vielen Bereichen an Mitarbeitern mangelt. Die Auslastung vieler Mitarbeiter ist trotz vieler Hauptamtlicher deutlich höher als in vielen kleinen Gemeinden. Eindeutig war zudem: Eine Erneuerung der Gemeinde aus Schrift und Geist ist immer nur mit vielen Mühen und Kämpfen möglich. Das Durchhaltevermögen der Leitungen früherer Tage in Braunschweig nötigt mir jedenfalls größten Respekt ab.

Abends stellten wir uns der Frage, wo sich der Geist Gottes heute bewegt. Mit einem langen prophetischen Wort nahm uns Ellßel in die Schriftauslegung und zeigte auf, wo der Geist Gottes an den „Hecken und Zäunen“ der Nationen sammelt für das Festmahl. Nach dem häufig auch missiologisch-informativen Vortrag ging es in einen Abend, der geprägt war von Segnung, Heilung und prophetischer Freisetzung. Ich bin Gott dankbar dafür, an diesem Abend dabei gewesen zu sein – der Herr hat auf wunderbare Art geredet.

Am Samstag durften wir zum Abschluss eine Predigt von Pastor Heinrich Christian Rust hören (EFG Braunschweig). Rust fragte uns, ob Christus der Mittelpunkt auch in all unseren Sitzungen ist. Prägnant war für mich folgender Satz: „Die Motivation zum geistlichen Aufbruch entsteht aus der Faszination über Jesus Christus und sein Reich und nicht aus einer Frustration über den geistlichen Zustand der Kirche.“ Das Evangelium scheint klarer, wenn es dunkel wird in unserem Leben. Rust sieht zwei Gründe für den Rückgang von Erweckung in Deutschland: 1. Den Hochmut in unserem Leben und unseren Gemeinden, und 2. Die Angst vor Menschen, vor allem vor Menschen in der Gemeinde und vor dem Zerbruch der Gemeinde bei geistlicher Veränderung. Der Hinweis, dass unser Bund in den letzten 7 Jahren um 4% an Mitgliederzahlen geschrumpft ist macht nachdenklich. Warum haben wir als baptistische Bewegung den Geist der Evangelisation oft so aus den Augen verloren?

Wer sich jetzt fragt, ob es nur Predigten gab… natürlich gab es: Vielfältige Workshops an den Nachmittagen, drei erfrischende Bibelarbeiten zum Hauptthema vor den Morgeneinheiten, die ständige Möglichkeit zu Seelsorge, Gemeindeleitungsberatung, heilendem und hörendem Gebet, viele Informationsstände von christlichen Werken, gute Bücher am Büchertisch, Gemeinschaft beim Essen, viel ehrenamtliches Engagement von 130 Braunschweiger Mitarbeitern und dutzenden Mitarbeitern der GGE, die authentischen Lobpreiszeiten mit einem tollen Mix aus alten und neuen Anbetungsliedern, viele junge Leiter, die das Reich Gottes auf dem Herzen haben, gute Gespräche in den umliegenden Cafés & Restaurants, und etliche überraschende Begegnungen, bei denen deutlich wurde, wie der Herr neue Türen für die Arbeit in seinem Reich aufmacht.

Über allem stand für mich aber: Der Herr nimmt uns in Gnade an – nicht als Mitarbeiter, nicht als Glaubenshelden, sondern im Schmutz unseres Lebens, voller Liebe. Die Gemeinschaft mit dem liebenden Vater, gnädig ermöglicht durch den Sohn und hergestellt durch den Geist, das ist der Sinn des Lebens.

Ein langer Artikel, ich weiß – warum? Erstens natürlich, weil ich euch teilhaben lassen will an geistlichen Geschenken, die der Herr unter uns austeilte, aber zweitens auch, weil ich euch ermutigen will, nächstes Jahr zur Mitarbeitertagung der GGE in Dorfweil dabei zu sein. Weil es sich lohnt, sich vom Geist beschenken zu lassen und Gemeinschaft mit dem dreieinen Gott zu genießen. Weil Vernetzung mit geistlichen Leitern für jeden geistlichen Leiter essenziell ist. Und weil es ein Privileg ist, an Orten und Veranstaltungen dabei zu sein, in denen der Geist sich bewegt.

Jonathan Walzer, Gemeindereferent EFG Landshut